1. Qualitätsmanagementbeauftragter (QMB) - Aufgaben und Kompetenzen
Der
Qualitätsmanagementbeauftragte, auch kurz
QMB oder schlicht
Qualitätsbeauftragter genannt, trägt als
Leitungsmitglied und als
Verantwortlicher der obersten Leitung Sorge dafür, dass die von der Qualitätsmanagement –
Norm ISO 9001 formulierten Forderungen bzw. Hinweise (ISO 9004) in Bezug auf das Qualitätsmanagementsystem des Unternehmens
umgesetzt werden.
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Als Verantwortlicher der obersten Leitung muss der Qualitätsbeauftragte die Verantwortung und Befugnis haben, um folgende Tätigkeiten auszuüben: Er ist beauftragt
sicherzustellen, dass die
Prozesse zur Einführung, Realisierung und
Aufrechterhaltung des Qualitätsmanagementsystems gemäß der ISO 9001 durchgeführt werden können. Zudem muss der Qualitätsmanagementbeauftragte der obersten Leitung über die
Leistung des QM-Systems und die Notwendigkeit für Verbesserungen
berichten. Die ISO 9004 rät zudem zur weiteren Leistungsverbesserung mit Kunden und anderen interessierten Parteien über Fragen des Qualitätsmanagementsystems zu kommunizieren. Als wichtige Aufgabe des QM-Beauftragten zählt außerdem die
Kundenanforderungen in das
Bewusstsein des gesamten Unternehmens einzubringen.
2. Methoden und Werkzeuge des Qualitätsmanagementbeauftragen (QMB)
Werkzeuge zur Qualitätsförderung
Der Qualitätsmanagementbeauftragte (QMB) hat als
zentrale Aufgabe die
Qualitätsförderung innerhalb der Organisation inne. Hierzu nutzt er
unterschiedliche Werkzeuge, die in drei Hauptkategorien aufgeteilt werden können:
Werkzeuge zur Problemanalyse, zur Lösungsfindung und zur Entscheidungsfindung.
Werkzeuge zur Problemanalyse
Zur
Problemanalyse konnten sich beispielsweise das
Brainstorming, die
Fehlersammelkarte und die
Pareto-Analyse als gebräuchliche Werkzeuge für den Qualitätsmanagementverantwortlichen (QMB) durchsetzen.
Brainstorming ist die gruppenorietierte Methode zur Unterstützung der gemeinsamen Ideenfindung. Das Ziel der Methode ist es, die kreativen Potenziale der Gruppenmitglieder zur Entfaltung zu bringen und auf eine bestimmte Problemstellung zu konzentrieren, um so in kurzer Zeit eine große Anzahl von Lösungsvorschlägen zu finden. Die
Fehlersammelkarte wird zur rationellen Erfassung und übersichtlichen Darstellung attributiver Daten (z.B.: Prozessfehler, Fehlerarten oder fehlerhafte Produkte) nach Art und Anzahl eingesetzt. Die erfassten Daten können in ein Histogramm überführt werden und z.B. mit Hilfe der Pareto- Analyse weiterbearbeitet werden. Die
Pareto-Analyse dient im Rahmen des Qualitätsmanagements zur Identifizierung von Ursachen, die am stärksten zu einem Problem beitragen, und zu deren Trennung von den „vielen kleinen Ursachen". Die Grundlage der Analyse ist die ursprünglich von dem Italiener Vilfredo Pareto empirisch festgestellte Tatsache, dass ca. 70 - 80 % von Auswirkungen (z. B. Fehleranzahl, Kosten) auf 20 - 30 % der Probleme (z. B: Fehlerarten) zurückzuführen sind.

Abb. I: Beispielhafte Pareto-Analyse am Beispiel eines RestaurantbesuchsWerkzeuge der Lösungsfindung
Als
Werkzeuge zur Lösungsfindung verwendet der Qualitätsbeauftragte gerne die
Methode 635 sowie die
Morphologie.
Bei der
Methode 635 kommt eine Gruppe von sechs Teilnehmern zusammen, die ein vor-gegebenes Problem zunächst analysieren und konkretisieren. Dann trägt jeder Teilnehmer auf ein Formular innerhalb von fünf Minuten drei Lösungsvorschläge ein. Anschließend gibt jeder Teilnehmer sein Formular an seinen Nachbarn weiter. Dieser nimmt die von seinem Vorgänger produzierten Lösungsansätze zur Kenntnis und trägt in die darunter befindlichen Felder drei weitere Lösungsansätze in einer (assoziativen) Weiterentwicklung der schon aufgezeigten Lösungen oder als völlig neue Vorschläge ein. Das Verfahren ist beendet, wenn jeder Teilnehmer jedes Formular bearbeitet hat.
Nach seinem Erfinder Fritz Zwicky soll mit der
Morphologie - Methode eine "umfassende Lösung" zu einem gegebenen Problem ermöglicht werden. Die Ideenvielfalt wird über die systematische Zerlegung komplexer Sachverhalte in abgrenzbare Einzelelemente (Problemparameter), Gestaltvariation der Einzelelemente und Kombination von Gestaltvariationen zu neuen Ganzheiten = neuen Gesamtlösungen erzeugt.

Abb. II: Beispiel: Morphologischer Kasten zur Konzeption eines KriminalromansWerbung

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Werkzeuge zur Entscheidungsfindung
Auch zur
Entscheidungsfindung haben sich für die Qualitätsförderung des Qualitätsmanagement – Systems nach ISO 9001 drei Werkzeuge für den Qualitätsbeauftragten heraus kristallisiert.
Bei der
Punktebewertung können die "Bewerter" eine bestimmte Anzahl von Punkten auf die Vorschläge verteilen um eine Entscheidung bzw. Rangliste anhand der Punkteanzahl je Thema herbeizuführen. Die Bewerter bekommen eine, sich an der Anzahl der Kriterien orientierende Anzahl an Punkten. Der Moderator sollte die Vorschläge nummerieren. Um eine gegenseitige Beeinflussung "beim Kleben" zu vermeiden, kann er die Teilnehmer auffordern, die Nummer des Vorschlags auf dem Klebepunkt zu notieren, auf den er ihn zu kleben gedenkt.
Eines der wichtigsten Ziele bei der Entscheidungsfindung besteht auch für den Qualitätsmanagementbeauftragten (QMB) bzw. für den Verantwortlichen des Qualitätsmanagement - Systems darin, die anstehenden Aufgaben zu priorisieren. Dabei soll das Wesentliche vom Unwesentlichen getrennt, die Effizienz gesteigert und unnötige Arbeit vermieden werden. Ein Beispiel für die Anwendung ist die Kombination mit einer Punktebewertung, indem die Auswahl von zu bevorzugenden Prioritäten durch Kleben von Punkten getroffen wird.

Abb. III: Beispiel einer Prioritäten-MatrixZur Entscheidung, welche der gefundenen Lösungen umgesetzt wird, empfiehlt es sich für den Qualitätsbeauftragten, die zur Zielerreichung relevanten Kriterien miteinander zu vergleichen (Paarvergleich) und die Maßnahmen an den wichtigsten Hauptkriterien zu messen.
Mit der Methodik des paarweisen Vergleichs kann man dezidierte Qualitätsbewertungen durchführen. Die zur Auswahl stehenden Alternativen werden systematisch gegenüber gestellt und deren verschiedene Eigenschaften nach folgendem Schema miteinander verglichen: Besser/wichtiger/... als = 2 Punkte, gleich gut/gleich wichtig/... als = 1 Punkt, weniger gut/weniger wichtig/ ... als = 0 Punkte
Diese Methode schaltet die persönlichen Vorlieben aus. Es kann also eine objektive und vor allem nachvollziehbare Entscheidung getroffen werden.
Unterstützende Methoden des QMB - M7
Zur weiteren Unterstützung qualitätsfördernder Maßnahmen für das Qualitätsmanagement - System nach ISO 9001 der Organisation wendet der QMB / Qualitätsbeauftragte
unterstützende Methoden an.
Systematisches Vorgehen zeichnet sich dadurch aus, dass Probleme stets erst in Unterprobleme zerlegt werden, mehrstufige Prozesse in ihre Einzeloperationen gegliedert werden um den Anteil ihrer individuellen Einflüsse auf die Gesamtauswirkung zu bestimmen. Erst dadurch gelangt man zu den wirklichen Entstehungsursachen, die auch zugleich die Lösungsansätze für die Verbesserungsmaßnahmen liefern.
Die nachfolgend dargestellten sieben Managementwerkzeuge (
Seven New Tools) wurden zu diesem Zweck von der
Japanese Union of Scientists and Engineers (JUSE) zusammengestellt. Der Qualitätsmanagementbeauftragte setzt diese insbesondere im Rahmen von Gruppenarbeit während der Entwicklungs- und Planungsphase ein, wo kaum numerische Daten zur Verfügung stehen. Zu ihnen gehören folgende Werkzeuge:

Abb. IV: Darstellung der "Seven New Tools"Das
Relationsdiagramm geht von einem zentralen Problem oder einer zentralen Idee aus und veranschaulicht die Wechselwirkungen zwischen den Ursachen des Problems. Die Beziehungen zwischen den Ursachen werden mit Pfeilen gekennzeichnet, die in Haupteinflussrichtung weisen. Dabei werden Ursachen gleichzeitig anhand der Anzahl ein- bzw. ausgehender Pfeile nach ihrer Bedeutung klassifiziert.
Das
Affinitätsdiagramm verwendet der Qualitätsmanagementbeauftragte für das Qualitätsmanagementsystem nach ISO 9001 bei der Bearbeitung potenzieller Probleme, insbesondere, wenn eine Vielzahl schwer überschaubarer und ungeordneter Informationen vorliegt. Affinität bedeutet, dass die z.B. mittels Brainstorming gesammelten Daten verglichen und in Gruppen eingeteilt werden, deren Elemente in Bezug auf ihre Bedeutung in einem engen Zusammenhang stehen. Die so entstandenen Gruppen (Cluster) werden mit Oberbegriffen versehen und hinsichtlich ihrer Relevanz bewertet, so dass ein strukturierter Pool von Fakten bzw. Ideen entsteht.
Das
Baumdiagramm dient z.B. der Untersuchung aller potenziellen Ursachen anhand mehrerer aufeinanderfolgender Schritte mittels graphischer Darstellung. Hierzu werden die Beziehungen zwischen einzelnen Elementen eines Netzwerkes zueinander (also ihre Verwandtschaft oder hierarchischen Abhängigkeiten) durch Verbindungslinien darstellt.
Bei einem
Matrix-Diagramm werden die Zusammenhänge und Wechselwirkungen von zwei (oder mehr) Faktoren zusammen grafisch dargestellt. Meist werden Komponenten oder Einflussgrößen aus zwei Listen verknüpft. Das Prinzip findet in einfacher Form z.B. beim „Paarweisen Vergleich“ (Gegenüberstellung der gleichen Kriterien) oder in einer Verantwortlichkeitsmatrix Anwendung.
Das
Portfolio-Diagramm dient der vergleichenden Gegenübergestellung mehrerer Objekte des QM - Systems, z.B. Produkte, Leistungen, Verfahren, usw. Es werden zwei Kriterien (z. B. Preis und Leistung) in einem Achsenkreuz dargestellt. Das Portfolio ermöglicht eine visuelle Kommunikation alternativer Strategien, Bewertungen von Verfahren, einer Marktsituation oder anderer Zusammenhänge.
Der
Problem-Entscheidungsplan wird eingesetzt, um Maßnahmen für unvorhergesehene Schwierigkeiten bei der Umsetzung von Teilschritten der Prozessschritte innerhalb des Qualitätsmanagementsystems vorzubereiten. Analog dem Vorgehen bei der Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse, werden auch hier bereits im Vorfeld potenzielle Störungen systematisch erfasst und geeignete Gegenmaßnahmen festgelegt. Die Entwicklung des Problem-Entscheidungsplans erfolgt am besten entlang der Struktur des Baumdiagramms.
Als siebte unterstützende Methode, die bei einem Qualitätsmanagementbeauftragten gemäß ISO 9001 zur Anwendung kommt, steht der
Netzplan als Werkzeug des
Projektmanagements und erlaubt eine gut überschaubare Darstellung der zeitlichen Verknüpfung der Maßnahmen, die zur Verwirklichung des Ziels geplant sind. Das Projekt wird hierzu in einzelne Aufgaben und Aktivitäten untergliedert. Das Ergebnis ist die detaillierte Zerlegung des Projekts in einen Strukturplan. Die einzelnen Aktivitäten werden dann in einer Vorgangsliste chronologisch geordnet. Aus der Vorgangsliste sind die Anordnungsbeziehungen zwischen den Teilaufgaben, d.h. die jeweiligen Vorgänger und Nachfolger von jeder Aktivität mit Anfangs- und Endterminen, ersichtlich.
Arbeitstechniken der Prävention des Qualitätsmanagementbeauftragten
Abschließend soll der Qualitätsbeauftragte auch Arbeitstechniken der Prävention kennen und anwenden können.
"
Vorbeugen ist besser als Heilen", ein bekannter Slogan im Gesundheitswesen. Prävention bedeutet auch im Qualitätsmanagement Vorbeugung. Viele Fehler und Probleme sind jedoch nicht sofort deutlich zu erkennen, sondern treten erst nach einiger Zeit zutage. Solche Fehler gilt es, durch aktive Vorbeugung zu vermeiden.
Nachfolgend erfahren Sie mehr über die vier
gebräuchlichsten Arbeitstechniken zur Prävention.
Mit Hilfe der
FMEA (Fehler- Möglichkeits- und Einfluss-Analyse) untersucht der Qualitätsbeauftragte (QB) das Zusammenwirken von Einzelkomponenten, indem die potenziellen Ursachen und Auswirkungen von möglichen Fehlern ermittelt werden. Die Analyse ermöglicht dem Qualitätsmanagementbeauftragten deshalb die Aufnahme von eindeutigen Ursache-Wirkungs-Ketten, das Auffinden wichtiger Fehler wird erleichtert, Vermeidung von Doppelarbeit und die Ergebnisse können übersichtlich dargestellt und auch Zusammenhänge anschaulich präsentiert werden.
Das
Ursache-Wirkungsdiagramm (auch Fischgrät- oder Ishikawa-Diagramm genannt) ist eine einfache Technik zur Problemanalyse, bei der Ursache und Wirkung voneinander getrennt werden. Die möglichen und bekannten Ursachen (Einflüsse), die zu einer bestimmten Wirkung (Problem) führen, werden in Haupt- und Nebenursachen zerlegt und in einer übersichtlichen Gesamtbetrachtung graphisch strukturiert. Auf diese Weise kann der Qualitätsmanagementbeauftragte sowohl negative als auch positive Einflussgrößen identifizieren und mit Hilfe des Diagramms ihre Abhängigkeiten zur Zielgröße dargestellt werden.
Dazu wird das Problem am "
Kopf des Fisches"“ beschrieben und die Enden der Fischgräten werden mit den Faktoren (5
M’s)
Mensch,
Maschine,
Methode,
Material und
Milieu (Umfeld) beschriftet.

Abb. V: Das Ursache- WirkungsdiagrammDie
Kraftfeldanalyse dient dem QMB für das Qualitätsmanagement – System ISO 9001 als einfaches und schnelles Verfahren zur präventiven Analyse von Situationen. Damit dient es vorrangig dem Ziel, die Situation mehreren Personen zugänglich zu machen und auf Potenziale aufmerksam zu machen, weshalb sich die Kraftfeldanalyse besonders gut bei Einführung von Neuerungen oder Veränderungen eignet.
Die "
sieben Fragen des Lieferanten" basieren auf der
Lieferkettenbeziehung, die auch im Unternehmen vorhanden ist, denn jeder im Unternehmen ist nun mal Kunde und Lieferant gleichzeitig!
Zu Beginn jeder präventiven Prozessverbesserung sollten daher immer die folgenden Fragen beantwortet werden:
1.
Wer ist mein Kunde - intern oder extern?
2.
Was benötigt mein Kunde von mir? (Waren oder Dienstleistungen)
3.
Welche Erwartungen hat mein Kunde? Soll-Erwartungen (Ziele / Messgrößen)
4.
Was biete ich dem Kunde jetzt? Ist-Erwartungen (Waren / Dienstleistungen / Qualitätsmerkmale)
5.
Wo erfülle ich seine Erwartungen nicht?6.
Was kann ich tun um seine Erwartungen zu erfüllen?7.
Welche Aktionen setze ich um? (Was? Wann? Wo? Mit wem?...)
3. Qualifizierung zum Qualitätsmanagementbeauftragten (QMB)
Erweitern Ihre Fach-, Methoden- und Führungskompetenz im Qualitätsmanagement und profitieren Sie durch eine erfolgreichere Umsetzung der ISO 9001 in Ihrem Unternehmen.
Reibungslosere Abläufe und zufriedenere Kunden werden auch die Zweifler in Ihrer Organisation überzeugen! Mit einem international anerkannten Zertifikat zum QMB - Qualitätsmanagementbeauftragten am Ende eines Lehrgangs dokumentieren Sie Ihr persönliches Engagement und Ihre Leistungsbereitschaft im QM Qualitätsmanagement nach ISO 9001. Zudem erfüllen Sie mit dem
Qualifikationsnachweis eines
akkreditierten Schulungsanbieters eine wichtige Voraussetzung für die Beantragung des vom
Deutschen Akkreditierungs Rat (DAR) und der
Trägergemeinschaft für Akkreditierung GmbH (TGA) anerkannten Personal-Zertifikats als QM - Beauftragter.
In der
Abbildung VI wird der Ablauf einer Qualitätsmanagementbeauftragter - Qualifizierung eines etablierten und international anerkannten Qualitätsmanagement Qualifizierers dargestellt.
» Qualitätsmanagementbeauftragter (QMB) - Ausbildung und Seminare (VOREST AG) 
Abb. VI: Beispiel eines Qualifizierungs- und Zertifizierungsprozess für einen QMB